Chemotherapie – vage Hoffnung

Artikel .1064 vom 13.04.2020

Selbstverständlich wissen viele Onkologen Bescheid. Über das zweischneidige Schwert Chemotherapie. Also ein – ursprüngliches – Nervengift, welches nicht nur, wie erwünscht, Krebszellen, sondern auch all unsere gesunden Zellen mit-abtötet. Und wenn die gesunden Zellen nun einmal das Immunsystem darstellen, kann man den Ausgang dieses Experimentes ja von vorneherein abschätzen.

So hat schon Hölzel 2004 nach Auswertung des Krebsregisters bewiesen, dass bei der Mehrzahl der Krebse (Organkrebs mit Metastasen) Chemotherapie das Leben der Patienten nicht um einen einzigen Tag verlängert. Also sinnlos ist. Nur Qualen verursacht.

Unvergessen dazu ein Chefarzt: „Das weiß ich. Nur: Die Patienten erwarten irgendetwas von uns“. Freilich hat er Recht.

Gibt ´s einen Ausweg? Nun… es gibt einen ersten, kleinen Hoffnungsschimmer. Veröffentlicht Oktober 2019. Da hatte ein Professor an der Uni Jerusalem eine ziemlich geniale Idee:

Wir wissen, dass Zellen von einer Membran umgeben sind. Und damit ein Austausch von Substanzen erfolgen kann, gibt es in dieser Membran ganz verschiedene Kanäle. Die geschlossen sind oder auch geöffnet sein können. Durch diese Kanäle werden Substanzen geschleust.

Der Professor fand nun zwei Substanzen, die genau solche Kanäle in der Krebszelle öffnen, durch welche er ein Chemotherapeutikum, nämlich Doxorubicin, schleusen konnte. Bei der benachbarten, gesunden Zelle, hat das nicht funktioniert.

Ein Schlüsselerlebnis. Er hat damit einen entscheidenden Unterschied zwischen Krebszelle und gesunder Zelle gefunden. Also genau das, was wir auch Dr. Coy (TKTL1) verdanken.

Genauer: Er aktivierte bei dem neuen Verfahren das Protein TRPV2 in den Krebszellen. Dieses Protein öffnet dann den Kanal in der Zellmembran, durch welches er das Chemotherapeutikum direkt in die Krebszelle bringen konnte. Geöffnet übrigens wurde der Kanal mit entweder 2-APB (wird nicht weiter erläutert) oder mit Cannabidiol, ein Bestandteil von Cannabis, der (wahrscheinlich) nicht süchtig macht. Hochinteressant!

Und noch etwas Erfreuliches: Um dann die Krebszelle abzutöten, braucht er nur noch ein Zehntel der normalen Chemotherapeutikum-Dosis. Er erwartet also weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall etc. ... Klingt logisch.

Die übliche Einschränkung: Erforscht wurde das an Krebszellen im Reagenzglas. Nicht an der lebenden Maus, und schon gar nicht am Menschen. Bleibt die bekannte Frage: Schafft man es, im Menschen direkt am Krebs die nötige Konzentration der „Kanal-Öffner“ anzureichern? Die gleiche Frage gilt ja auch für das hochpotente Anti-Krebsmittel Vitamin C.

Quelle: Front. Pharmacol. Oct 2019, Vol. 10, Art. 1198

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