Homocystein und Ihre Knochen

Artikel .1152 vom 13.12.2021

Von Homocystein haben Sie sicherlich schon gehört. Homocystein ist eine Aminosäure, die natürlicherweise im Körper vorkommt. Der Körper braucht sie in allerdings niedrigen Konzentrationen.

Steigt der Homocystein-Spiegel, wird es riskant. Hohe Homocystein-Werte werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit Krebs, Demenz und Depressionen in Verbindung gebracht.

Homocystein schadet aber auch Ihren Knochen. Denn wenn der Blutspiegel dieses Gefahrstoffes zu hoch ist, sind auch die Knochenzellen einer erhöhten Homocystein-Konzentration ausgesetzt. Dabei greift Homocystein nicht direkt die Knochensubstanz an, sondern

Homocystein wirkt epigenetisch, es verändert die Genaktivität.

Folgendes passiert:

  1. Bei einer erhöhten Homocystein-Konzentration in den Knochenzellen bildet sich vermehrt ein entzündungsfördernder Botenstoff. Der Entzündungsstoff greift das Knochengewebe an.
  2. Der Entzündungsstoff setzt darüber hinaus einen Prozess in Gang, wodurch sich vermehrt Methylgruppen an eine ganz bestimmte Stelle der DNA anlagern. Die Aktivität eines bestimmten Gens ist somit ausgeschaltet oder vermindert.
  3. Das betroffene Gen beinhaltet die Bauanleitung für ein Enzym, welches an der Bildung von Kollagen beteiligt ist. Kollagen ist wiederrum der Hauptbestandteil der Knochenmatrix. Fehlt dieses Enzym, oder liegt es in zu geringen Konzentrationen vor, entsteht Kollagen mit minderer Qualität. Das wirkt sich negativ auf die Festigkeit der Knochen aus.

Homocystein stellt die Gen-Aktivität auf krank.

Kennen Sie Ihren Homocystein-Wert? Können Sie in jedem Labor untersuchen lassen. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, Ihre Hausärztin oder Ihren Heilpraktiker zu bewegen, den Wert zu ermitteln. Die Laboruntersuchung kostet ca. 15,00 €.

Normalisiert sich der Homocystein-Spiegel, schaltet die Gen-Aktivität wieder auf gesund. Epigenik pur!

Ihren Homocystein-Spiegel normalisieren Sie mit B-Vitaminen. Normal heißt übrigens ein Wert unter 10,00 µmol/l, bzw. unter 1,35 mg/l. Besser noch ist ein Wert unter 5,00 µmol/l bzw. unter 0,68 mg/l. Besonders wichtig ist die Einnahme von Folsäure sowie der Vitamine B6 und B12.

Bei vielen meiner Patienten sank der Homocystein-Spiegel erst, als sie ihren Vitamin-B12-Wert auf 2000 pg/ml angehoben hatten, bzw. auf 1400 pmol/l. Und dass Folsäure 20 ng/ml erreichen sollte, dürfte sich ebenfalls herumgesprochen haben.

Wirklich? Herumgesprochen? Auch bei Ihrem Internisten?

Quelle: Thaler R, Agsten M, Spitzer S, et al. Homocysteine suppresses the expression of the collagen cross-linker lysyl oxidase involving IL-6, Fli1, and epigenetic DNA methylation. J Biol Chem. 2011;286(7):5578-5588.

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