Dem Parkinson davonlaufen

Artikel .1132 vom 26.07.2021

Ungefähr fünf Millionen Menschen leiden weltweit an Parkinson. Problem für jeden Arzt: Denn heilende Medikamente gibt es nicht. Kein Wunder, dass Wissenschaftler auf der Suche nach fehlgeleiteten Mechanismen sind, um gezielt Medikamente zu entwickeln. Typisch. Lieber mal die Natur fragen? Wie machts das Reh? Und tatsächlich konnte man bereits zeigen, dass Laufen Abhilfe schaffen kann. Berücksichtigt wird das meist nicht.  Von wem auch …?

Auf der Suche nach „fehlgeleiteten Mechanismen“ untersuchte eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern 6,8 Millionen Datensätze von 410 Personen, die an Parkinson litten und verglichen diese mit denen von Gesunden. Untersucht wurden Genaktivitäten, Enzyme, Proteine und vieles mehr. Tatsächlich fanden sich deutliche Unterschiede im Stoffwechsel der Kranken, verglichen mit Gesunden.

Für uns wichtig: Die Wissenschaftler hielten den Mangel eines bestimmten Proteins namens PGC-1α für besonders wichtig.

Patienten mit Parkinson wiesen signifikant geringere Mengen PGC-1α auf als Gesunde.

Das Protein, falls aktiv, trägt zum Schutz der Dopamin-produzierende Zellen bei. Nimmt seine Aktivität ab, sterben diese Zellen vermehrt. Der Verlust dieser Zellen ist für die typischen Parkinson-Symptome verantwortlich, also steife Muskulatur (Rigor) und Muskelzittern in Ruhe (Tremor).

Das Protein ist zudem am Energiestoffwechsel in den Mitochondrien beteiligt. Nimmt seine Aktivität ab, funktionieren die Abläufe in den Mitochondrien nicht mehr richtig. Mitochondriale Dysfunktion (Energiemangel) ist bei Parkinson-Patienten ebenfalls zu beobachten.

Die Wissenschaftler halten dieses Protein „für therapeutische Interventionen geeignet“. Heißt auf gut deutsch: Es sollen Medikamente entwickelt werden, die die Aktivität dieses Proteins erhöhen. Tja. Dummerweise wirken Medikamente aber nie nur an einem Protein, sondern bringen meist andere Abläufe aus dem Gleichgewicht, es kommt zu Nebenwirkungen. Typisch. Jedem bekannt. Jetzt kommt´s:

Die Menge an PGC-1α kann man viel einfacher erhöhen, durch Sport! Nix Medikament. Freilich lässt sich Sport, persönliche Anstrengung nicht patentieren …

Besonders effektiv ist Intervalltraining mit mehreren Sprints hintereinander. Dabei laufen Sie einige Zeit so schnell Sie können. Danach laufen Sie langsam, erholsam weiter, dann wieder so schnell Sie können. Wie lange Sie diese Einheiten gestalten, hängt von Ihrer Fitness ab.

PS: Fragt sich, ob ein bereits Parkinson-erkrankter sich zum Intervalltraining aufrafft. Drum: Wie bei Ihrer Rente scheint´s vernünftig, rechtzeitig, also vor der Erkrankung zu beginnen.

Goldene Worte. In den Wind gesprochen…?

Quelle: Zheng B, Liao Z, Locascio JJ, et al. PGC-1α, a potential therapeutic target for early intervention in Parkinson's disease. Sci Transl Med. 2010;2(52):52ra73.

zurück zur Übersicht

top