Statine: Mal was Nettes?

Artikel .1067 vom 04.05.2020

Darf ich Sie teilhaben lassen an meiner Sonntagslektüre? Soeben? In einem medizinischen Fachorgan?

Bei solcher Lektüre kommen mir immer gemischte Gefühle. Zum einen lerne ich Tag für Tag, wieviel kluge, intelligente, gebildete Menschen es unter den Naturwissenschaftlern gibt. Mir tatsächlich merkbar überlegen. Jedenfalls, was das Wissen angeht. Mich tröstet, dass ich möglicherweise Wissen etwas effektiver vermitteln kann... also lesen wir doch einmal gemeinsam.

Thema: Statine. Nehmen knapp 5 Millionen Deutsche.

„Eine aktuelle Meta-Analyse (2015) hat an Hand von rund 115.000 Patienten gezeigt, dass es durch Statin-Einnahme zu 3% weniger Herztoten als in der Kontrollgruppe kommt, wobei der Unterschied zwischen der Statin-Gruppe und der Kontroll-Gruppe (213 gegenüber 220 Herztoten) statistisch nicht SIGNIFIKANT war.

De facto hatten Statine, bezogen auf den Herztod, KEINEN NUTZEN: (Priss, 2015)“.

Und jetzt lächelt der Referent. Also der Wissenschaftler, den ich soeben zitiere. Immerhin ein Dr. rer. nat., zusätzlich Dipl.-Biochemiker. Der schreibt nämlich weiter:

„Omega 3 andererseits zeigten in einer Meta-Analyse, dass bei der Einnahme von über 1g täglich das Herztod-Risiko um 29% sinkt (gut 20.000 Patienten, statistisch signifikant, Maki 2017). Die Studie ist also ziemlich frisch.

Der Wissenschaftler – wohl immer noch lächelnd – fasst den bisherigen Text zusammen mit:

Selbst unter der Annahme einer 3%-igen Herztod-Reduktion durch Statine wäre Fischöl somit etwa 10-Mal wirksamer.

Und jetzt? Was sagt man dazu? Kann ich Ihnen verraten: Gar nix. Man liest´s nämlich nicht. Ihr Internist, Ihr Kardiologe wird Ihnen automatisch weiterhin Statine verschreiben. Und nicht Omega 3. Kommt hinzu: Verschreiben in 80% zu Unrecht. Sie haben inzwischen alle gelernt, dass man mit Statinen das LDL-Cholesterin senken möchte. Und auch tatsächlich schafft. Nur:

LDL-Cholesterin ist nur dann ein Risiko, wenn gleichzeitig Lipoprotein (a) erhöht ist. Und das gilt nur für etwa 20% von Ihnen.

Der Rest schluckt Statine samt Nebenwirkungen umsonst.

Wäre immer noch erklärbar, verständlich (wir sind alles Menschen), wenn es nicht längst die Alternative gäbe. Omega 3. Wissenschaftlich bewiesen. Aber der Text geht ja noch weiter:

„Wahrscheinlich lässt sich mit Fischöl noch deutlich mehr erreichen, wenn die Behandlungsdosis/-dauer erhöht würde. Außerdem wäre es sinnvoll, Omega 3 abhängig vom Blutspiegel zu dosieren. (MESSEN!!!)

Zurück zu den Statinen: Werbeanzeigen der Pharmaindustrie sprechen von einer Reduktion des relativen Herzinfarkt-Risiko um 36%. In der dazugehörigen Studie war das absolute Risiko von 3% (Placebo) auf 1,9% (Statin) gesunken, die Gesamt-Sterblichkeit beider Gruppen war identisch (Diamond 2015).

Kommentar Ihrerseits? Mir doch wurscht. Mein Doktor hat mir mein Statin verschrieben. Und mein LDl-Cholesterin sinkt doch.

Sie verstehen schon, weshalb ich meine ursprüngliche Medizin inzwischen Resignations-Medizin nenne. Die ist überfordert. Im alltäglichen Kampf. Auch ich bin wie ein aufgescheuchtes Huhn tagtäglich durch die Krankenhausgänge buchstäblich gerannt. Nachdenken? Keine Zeit.

PS: Nehmen Sie ruhig den Begriff „Relatives Risiko“. Also Berechnung „Prozent von Prozent“. Dann lesen Sie:

Und Sie wissen längst (Chaos-Studio London 1996)

Weshalb steht diese kleine Tabelle nicht in der Bild-Zeitung? Frontseite? Im Stern? In der Süddeutschen? Im SPIEGEL? Im FOCUS?

Wenn es doch nachweislich gelingt, eine ganze Bevölkerung zu disziplinieren, wie das während der Corona-Pandemie gelungen ist, weshalb kann man dann nicht wenigstens so banale Dinge wie Vitamin E und Omega 3 zum Frühstück... durchsetzen? Auch hier ginge es doch eindeutig um Gesundheit, um Leben, um das Wohl der Menschheit, oder?

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