Viel hilft viel

Artikel #819 vom 03.10.2016

Sage bitte keiner, dass die Schulmedizin sich nicht bemüht. Sich nicht anstrengt. Sich nicht kümmert. Das tut sie nämlich unbestreitbar. Auch wir haben als Assistenzärzte an der Uniklinik rund um die Uhr geschuftet, waren für den Patienten da.
Dass wir uns in einem falschen System bewegt haben, also gestrampelt haben wie die Ameisen und das Wort „Ausweg“, also gemeint „Heilung“ gar nicht kannten, nun, das war uns nicht bewusst. Sie verstehen, dass ich meine Kollegen immer und immer wieder verteidigen werde. Weil ich ihr Bemühen kenne. Dass dieses Bemühen auch pathologische Züge haben kann, beweist mir eine der geduldigsten Patientinnen des Jahrzehnts. Zunächst etwas ganz übliches:

Handschriftlich liegt vor mir der Medikamentenplan der letzten 2 Jahre. Bitte lassen auch Sie sich beeindrucken:

  • Cortison-Stoßtherapie (5000mg Urbason)
  • Dipidolor
  • Tramabene
  • Novalgin
  • Parkemed
  • Dalacin (Zahn OP)
  • Lyrica
  • Neurontin
  • Paspertin
  • Ulsal
  • Ranic Hexal
  • Maalox (massive Gastritis von Schmerzmitteln)
  • Thictazid
  • Dronabinol
  • Rivotril
  • Zoldem
  • Temesta
  • Saroten
  • Cyrndralte
  • Zyprexa
  • Sertralin
  • Hydal retard
  • Codidol retard
  • Neodolpasse 
  • Voltaren
  • Hexalen
  • Seractil forte
  • Sirdalud
  • Pantoloc
  • Dibenzyran
  • Agopton
  • Delpral (Rivotril)
  • Pantoprazol
  • Cannabidiol
  • Noctamid
  • Seroquel
  • Senrecolm
  • Trittico (Depression)
  • Risperdal
  • Stablon
  • Valdoxan

Dazu kommt als kleines Bonbon auch eine 14-tägige stationäre Entzugsbehandlung. Man wollte ihr das Schlafmittel Rivotril abgewöhnen. Wie man das gemacht hat? Mit noch mehr. Also für das eine (Entzug) gleich sieben andere Gifte:

 

  • Femidom (Barbiturat)
  • Dormirel
  • Cipralex
  • Agopton
  • Mirtabene
  • Seroquel
  • Nozinan

Übrigens: Die Patientin lebt noch. Sitzt mir gegenüber. Bittet um Hilfe. Lebt also trotz all dieser ungeheuren Menge von Schmerzmitteln, Psychopharmaka usw.. Alles von Ärzten rezeptiert und verschrieben.

Manchmal mag ich auch nicht mehr. Mag nicht mehr kommentieren. Ist das wirklich die Medizin, die ich gelernt habe, für die ich geschuftet habe? Die mein Leben bestimmt?

Mit Sicherheit: Nein.

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