Das Serotonin-Syndrom – ein AHA-Erlebnis

Artikel #987 vom 03.12.2018

Spannung pur diesmal. Gleichzeitig ein verräterischer Blick in die Seele des Menschen. Ihres Mitmenschen. Bevor wir diesen Blick werfen, kurze Erklärung.

Unter Serotonin-Syndrom versteht man eine Nebenwirkung. Unerwünscht. Kommt vor bei Menschen, die Antidepressiva schlucken, und zwar die typischen SSRI (zum Beispiel Citalopram), Stoffe also, die indirekt versuchen, den Serotoninspiegel im Gehirn anzuheben. Grundsätzlich vernünftig.

Wenn diese Menschen jetzt eine zweite Tablette schlucken, die ebenfalls Serotonin anheben soll, kann dies dem Gehirn zu viel werden. Es reagiert unwirsch. Zum Beispiel Alpträume, innere Nervosität, Schwitzen, psychotische, aber auch – viel schlimmer – Lähmungserscheinungen. Ungut.

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben, welche Zweittablette ein Depressiver mit seinem Citalopram nicht nehmen sollte, kurze Liste

Klingt vernünftig. Möchten Sie gar nicht wissen. Nehmen Sie ja sowieso nicht. Aber dann folgt das Wort

Also das typische Migränemittel. Ebenfalls verboten. Weiß das Ihr Psychiater? Weiß der, dass Sie an Migräne leiden und Triptane schlucken? Schwierig.

Jetzt kommt´s: Gewarnt werden Depressive mit ihrem typischen Antidepressivum auch vor der zusätzlichen Einnahme von

TRYPTOPHAN

Leuchtet ein. Auch Tryptophan soll ja den Serotoninspiegel im Gehirn anheben. Und wie gesagt: manchmal ist doppelt einfach zu viel. Darf ich wörtlich zitieren?

„Zusätzliche Einnahme von Tryptophan oder 5-HTP kann durch Verstärkung der Serotoninsynthese ebenfalls zum Serotonin-Syndrom führen.“

Mitbekommen, was hier steht? Hier steht, dass Tryptophan ein sehr starkes, in diesem Fall gefährliches Mittel ist, weil es wirkt. Weil es tatsächlich den Serotoninspiegel anhebt.

Schwillt Ihnen der Kamm? Noch nicht? Da wird also ein chemisches Mittel wie zum Beispiel Citalopram gegeben (Gewichtszunahme 30kg in sechs Monaten) welches indirekt, auf Umwegen den Serotoninspiegel anheben soll. Und gleichzeitig wird gewarnt vor einem rezeptfreien, natürlichen Mittel, einer Aminosäure, weil die – und das bestätigt hier sogar die Pharmafirma – den gewünschten Effekt ohne Umwege bewirkt.

Gewarnt wird also vor natürlichem Tryptophan. Nicht vor dem Citalopram o.ä., nicht vor den üblichen Psychopharmaka mit ihren Nebenwirkungen.

Wenn Sie nach diesem Blick in das Denken Ihrer Mitmenschen das Ganze als „irre“ oder „verrückt“ bezeichnen, kann ich Ihnen nur zustimmen. Folgt eine glasklare Frage an jeden Psychiater in Deutschland: Weshalb verschreiben Sie Antidepressiva, wenn natürliche Aminosäuren eingestandenermaßen den gleichen Effekt haben?

Natürlich kennen wir alle die Antwort.

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