Schmetterlingsträume

Was tut eine Raupe im Winter? Wenn sie dieses Geheimnis aller Geheimnisse nicht nur begreifen, sondern auch persönlich umsetzen könnten, könnten auch Sie leben wie ein Schmetterling. Leicht, luftig, schwerelos und ganz sicher ohne Ischiasschmerz, Depression oder grauen Star.

Eine Raupe im Winter? Das ist pure, geronnene, konzentrierte Epigenetik. Die verpuppt sich. Und tut gar nichts mehr. Glauben wir. In ihrem Inneren geht es los: In ihrem Inneren spielt sich Dramatisches ab, nämlich die wunderbare Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling: Der ganze Organismus baut sich um. Stachel- und Stummelfüßchen verschwinden, Flügel, Haare, Beine, Fühler wachsen aus dem Nichts. Ein ganzes Nervensystem entwickelt sich neu...

Was sich geändert hat, waren nicht die Gene. Die sind von vorneherein da. Verändert hat sich einzig das epigenetische Programm: Einen Winter lang wurden in Milliarden Zellkernen (nur für den Kenner:) Methyl- und Acetylgruppen umgebaut, Histone verformt, Mikro-RNAs gebastelt, was das Zeug hält.

Hinterher jedenfalls hat fast jede Zelle eine neue Aufgabe: Sie erzeugt einen völlig anderen Satz an Proteinen als zuvor. Das große Wunder der Metamorphose verdankt der Schmetterling also weniger seinem Erbgut als der Fähigkeit, dieses Erbgut auf dramatische Weise nahezu überall im Körper umorganisieren zu können. Die Verwandlung von der Raupe in den Schmetterling ist ein wahres Meisterstück des epigenetischen Systems.

Diese Erkenntnis sollte uns zu denken geben: Womöglich steckt auch in unserem Erbgut viel, viel mehr, als wir im Allgemeinen daraus machen. Ist das nicht eine faszinierende Idee? Wir sollten nie und nimmer, wir sollten keinesfalls unterschätzen, was eine

dauerhafte Änderung des Lebensstiles

aus unserem zweiten Code

epigenetisch herausholen kann

Will sagen: Sie wissen gar nicht, was in Ihnen steckt. Wenn ich persönlich nicht ein klitzekleines bisschen von dieser Wahrheit am eigenen Körper erfahren hätte, könnte ich darüber nicht sprechen. Hören Sie noch einmal Dr. Peter Spork, Neurobiologe, in "Der zweite Code": (Zitat): Das Potential für ein gesundes langes Leben und für eine einnehmende Persönlichkeit steckt höchstwahrscheinlich in den Genen der meisten Menschen. Man muss nur den Weg finden, es abzurufen.

Nun: Der Weg ist bekannt. Schritt für Schritt. Sie ahnen...