Ganz aufgeregt haben mich einige von Ihnen auf das ARD hingewiesen. Da hätte es am 11.5.2010 eine "Doku zu Vitaminen….Voller Verriss….." gegeben. Und sie wären jetzt verwirrt.
Guck ich also im Internet nach. Und was finde ich. SWR. Die Neuauflage einer Sendung vom 20.9.2007. Eine dänische Metaanalyse. Kannten wir das nicht schon. Nämlich als
verfrühten Aprilscherz 2007
(www.strunz.com vom 16.4.2007)
Die Studie ging damals durch die Presse. Stand in der Süddeutschen (17.4.2008) im Deutschen Ärzteblatt (16.4.2008) auf der Internetseite Pressetext (18.4.2008). Seltsames Datum. Die Original-Studie wurde veröffentlicht JAMA 28.Februar 2007. Wer hat denn hier gepetzt?
Jedenfalls wurden ausgewertet 815 klinische Studien, die wissenschaftlich einwandfrei waren. Nur: Die wurden eben nicht ausgewertet. Die hätten das gewünschte Ergebnis nämlich nicht gebracht.
Deshalb hat man aus den 815 68 ausgesiebt. Die noch bessere Qualität hätten. So, so. Nur ergab die Auswertung von 60 (wohl ausgewählten) Studien gar nichts: Vitamine hatten keinerlei Einfluss auf die Sterblichkeit.
Oh: Was hätte denn dann die Auswertung der ganzen 815 Studien ergeben? Forever young-Leser wissen das: Grauer Star wäre verhindert, Alzheimer wäre nicht aufgetreten, die Makuladegeneration wäre rückläufig, MS würde gestoppt, Darmkrebs würde verhindert, Brustkrebs würde verhindert usw., usw. Aber darum ging es offensichtlich nicht.
Jedenfalls hat die Reduktion auf nur 68 aus 815 Studien nichts erbracht. Deshalb hat man selbst weitere 21 dieser klinischen Studien "eliminiert" (Zitat). Man landete also schlussendlich bei 47 Studien. Also bei 6% der ursprünglichen.
Und jetzt endlich ergab sich ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko für Vitamin A (16%), Beta-Carotin (7%), Vitamin E (4%). Vitamin C eher neutral, und Selen hat die Sterblichkeit sogar um 10% gesenkt.
Ein rein rechnerisch-statistisches Ergebnis nach mehrfacher Auswahl von Studien. Und was für Studien blieben das schlussendlich? Können Sie nachlesen in einer Bewertung des "Zentrum der Gesundheit" am 25.7.2007:
Da wurden Vitamine gerade mal einen einzigen Tag gegeben. Das wars.
Die meisten Studien wurden mit einer Vitamin-Dosis "bewusst unterhalb der Wirksamkeitsgrenze" gewählt.
Und manchmal waren es Megadosen.
Todesursachen wurden keine aufgeführt. Könnte also auch ein Autounfall gewesen sein. Der dann den Vitaminen zugeschrieben wird.
Diese wunderschöne Mega-Analyse vom Februar 2007 ist seither nie mehr aufgetaucht. Zu Recht vergessen. Wer immer sich damit beschäftigt hat, hat wohl – so wie ich – einen roten Kopf bekommen.
Ein Glück , dass wir das ARD haben. Zum Aufwärmen.