Medizinisches Tiefengrübeln

Wenn ich täglich Ihnen gegenüber betone "die Medizin weiß, nur möglicherweise Ihr Doktor nicht..." dann beziehe ich mich in erster Linie auf das NIH. National Institut of Health. In Bethesda. Die größte und wichtigste medizinische Forschungseinrichtung der Welt. Mit der größten medizinischen Bibliothek der Welt. Mit über 100 assoziiert forschenden Nobelpreisträgern. Mit einem Jahresbudget von nicht, wie ich bisher glaubte 20 Milliarden, sondern

29 Milliarden Dollar

Jedes Jahr! Ein Zentrum, von dem ich z. B. lernen durfte, dass das stärkste Chemotherapeutikum Vitamin C ist. Als 60 g-Infusion.

Ein Institut, das sich um die Massenplagen der westlichen Zivilisation kümmert: Um Krebs, Diabetes, Alzheimer, Herzinfarkt, Schlaganfall, Allergien... Weltklasseforschung.

Das möchte Deutschland jetzt nachahmen. Im Jahre 2011 plant das Bundesministerium die Gründung von vier neuen Zentren, in denen die medizinische Forschung zusammenfließen soll.

Ein glänzendes Vorhaben.

Mein leise im Hirn bohrender Gedanke, dass aber auch hier der Satz gilt "die Medizin weiß, nur möglicherweise Ihr Doktor nicht..." findet sich in einem kritischen Artikel der ZEIT von Harro Albrecht wieder. Dort wird gelobt, dass hier endlich mal viel die Rede ist von Prävention, von Vorsorgeforschung und außerdem dem Bemühen, die Forschungsergebnisse besser und schneller in die Praxis zu bringen.

Albrecht kritisiert ganz richtig, dass das NIH immerhin schon 1887 gegründet wurde. Und dass 100 Jahre medizinisches Tiefengrübeln, so nennt er das, eigentlich nur spärlichen Nutzen für die Bevölkerung gebracht hat. Denn: In der Lebenserwartung stehen die USA auf Platz 36, direkt hinter Kuba und weit hinter Deutschland (Platz 20), und bei der Kindersterblichkeit schneiden manche amerikanische Bundesstaaten etwa so gut ab wie Südindien.

Haben Sie das gewusst?

Doch. Das können Sie nachvollziehen. Nehmen Sie einmal mein Büchlein "Das Geheimnis der Gesundheit" in die Hand. Das ist aktuelles Wissen. Hochaktuell. Finden Sie das bei Ihrem Hausarzt wieder? Oder in Ihrer nächsten Universitätsklinik?

Nein, finden Sie nicht. Mit medizinischem Tiefengrübeln allein also ist es nicht getan. Jemand muss es übersetzen!