Lassen Sie mich ein häufiges, wenn auch häufig unerkanntes Problem beschreiben und dann... die typische Bankrotterklärung der deutschen Medizin. Das Problem heißt Hepatitis. Angesprochen auf dem Welt-Hepatitis-Tag am 28.07.2013.
Betrifft laut Robert Koch Institut etwa 500 000 Deutsche. Die eine chronische Hepatitis B oder C haben, oft davon aber gar nichts wissen. Wir leben ja im Kongo. Verräterisch der Satz:
"In Deutschland wird viel zu der Leberkrankheit geforscht, aber wenig behandelt. Viele wissen gar nicht, dass sie infiziert sind."
Geforscht heißt: In den Labors. Da sind wir groß. Behandelt? Hieße draußen beim Hausarzt. Kein Kommentar. Denn das Wissen hängt ab von einer Blutanalyse. Sie kennen mein Lieblingswort: Messen. Jeder von Ihnen, der meine Praxis betritt, wird durchgemessen. Ob er will oder nicht. An solchen Bemerkungen oben können Sie ablesen, weshalb.
Sie alle können mit dem Wort Hepatitis B oder C umgehen: Man steckt sich an. Hat ein paar Tage Gliederschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, hält das für eine Grippe, und... unerkannt führt die Leberkrankheit zur Zirrhose oder Krebs. Kann sie jedenfalls.
Zurück zum Kongo: Wörtliches Zitat "Hepatitis B sei nicht heilbar, aber es gebe Medikamente, die das Virus unterdrückten, gegen Hepatitis C würde voraussichtlich 2014 oder 2015 neue Wirkstoffe zugelassen." Voraussichtlich: Na, dann hoffen wir mal. Hat man vor 10 Jahren, vor 20 Jahren natürlich auch schon gehört. Dieses "voraussichtlich".
Jetzt kommt’s: Ganz neu und sensationell auf dem Welt-Krebs-Tag 2013: Die Erkenntnis, dass es einen engen Zusammenhang gäbe zwischen Vitamin D Mangel und der Ausbreitung des Hepatitis Virus. Stammt aus der Frankfurter Uni Klinik. Dort hat man bei 200 Patienten mit chronischer Hepatitis B gefunden, dass mehr Vitamin D die Virenzahl absenkt. Und jetzt... handelt man nicht etwa... sondern...
"...jetzt will das Team prüfen, in wie weit Vit D zur Behandlung chronischer Hepatitis B eingesetzt werden kann."
Prüfen. Dauert wie viel Jahre? Seit wir alle gelernt haben von zwei israelischen Arbeitsgruppen 2012, dass Vit D Interferon stimuliert im menschlichen Körper, und dieser Stoff heilt, behandele ich meine Patienten mit Leberkrankheit mit Vit D. Ich prüfe nicht, ich behandele. Und hoffentlich heile. Ein eleganter, ach so verräterischer Schlenker zum Schluss: "In der Forschung ist Deutschland weltweit führend, in der Versorgung leider nicht." Das sei das Ergebnis einer europaweiten Studie. Begründung? In Deutschland gäbe es keinen nationalen Aktionsplan, "wir hätten einen Flickenteppich".
Aktionsplan? Wozu? Wozu warten? Jeder Arzt kann lesen. Jeder Arzt kann sich fortbilden. Jeder Arzt hat einen Eid geschworen. Wir Ärzte, wir sind der Aktionsplan. Jeder einzelne. 160 000 mal in Deutschland.