war ursprünglich gedacht als objektive Berichterstattung. Als Nachrichtenbeschaffung. Sine ira et studio, also frei von Ideologie. Auf dieser Idee gründet ja der hehre Anspruch der Medien, die vierte Gewalt im Staate darzustellen.
Das ist längst vorbei. Heute ist Journalismus durchweg subjektiv. Das Durchsetzen der eigenen Meinung hat also Zweck und Ziel, ist kaum mehr objektiv.
Geht Ihnen jäh auf, wenn Journalisten zu einem Thema berichten, in welchem Sie sich auskennen. Und wenn man selbst jahrzehntelang recherchiert hat und ein Bestseller-Vitaminbuch geschrieben hat, wenn man tausende von Studien persönlich durchstudiert hat, da weiß man zumindest auf diesem Feld, was Vitamine angeht, einigermaßen Bescheid.
Jedenfalls besser als Journalisten.
"Die Vitaminlüge" titelt der Spiegel 3/2012. Möchte also die Gabe von Vitaminpräparaten verteufeln. Und das können die unnachahmlich, ja beinahe genial. Wie, so fragt sich der Spiegel-Journalist, überzeugt man den normalen Menschen in wenigen Sätzen? Die Antwort ist einfach (wörtliches Zitat):
"…diesmal musste die Studie 21 Monate früher als geplant abgebrochen werden. Der Grund: Bei den Vitaminkonsumenten traten deutlich mehr Fälle von Lungenkrebs auf, und es kam auch häufiger zu Todesfällen als in der Vergleichsgruppe. Es wäre schlicht unverantwortlich gewesen, den Studienteilnehmern weiter Vitaminpillen zu geben… Damit war klar, dass die als Raucher-Vitamine angepriesenen Vitamine A und Beta-Karotin für Raucher schädlich waren." Sagt Mühlhauser. "Einen besseren Beweis als eine reproduzierte Studie gibt es nicht."
Überzeugt. Auch mich, wenn ich das lese. Beta-Karotin ist schädlich. Ob ich den kleinen Hinweis "absolut nur beim Raucher" wirklich verstanden habe als Laie? Nun ja. Siehe News vom 10.03.2007 auf www.strunz.com.
Objektiv ist etwas anderes. Objektiv ist die Studie selbst. Sie liegt vor mir. Dort steht ausdrücklich, dass Beta-Karotin dem Raucher keinen Nutzen gebracht hat. Dass – die Forscher waren sehr, sehr überrascht, wie wir lesen – eher eine Tendenz zu mehr Lungenkrebs beim Raucher festgestellt wurde. Freilich statistisch nicht signifikant, also nicht verwertbar. Gilt also ausdrücklich nicht. Kann Zufall sein.
Und die Studie wurde auch nicht 21 Monate früher als geplant abgebrochen. Das klingt ja dramatisch. War aber nicht der Fall. Die Studie wurde normal durchgeführt. Das war’s eigentlich. Das ist Journalismus heute. Und genau so geht die ganze Titelstory im Spiegel weiter. Allein schon die Worte des SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach. Unverantwortlich. Man könnte Satz für Satz widerlegen.
Was ist objektiv? Mein Ratschlag: Drucken Sie sich alle News zum Thema Vitamine aus. Sie werden dort getreulich auch fast alle negativen Vitaminstudien finden. Sorgfältig besprochen. Aber eben auch eine viel größere Anzahl positive. Machen Sie sich selbst ein Bild.
Übrigens habe ich diese Sammelarbeit (sämtliche Vitamin-News gesammelt) bereits hinter mich gebracht. Mit Zwischenkommentaren. Der Verlag wollte es nicht drucken. Tja.