Kluge Verträge und Weltbilder

Ulrich G. Strunz

Ein sehr kluger und tüchtiger Mitarbeiter eines Spirituosenkonzerns mit über 27.000 Mitarbeitern hatte mir letztes Jahr berichtet, dass große Unternehmen untereinander keine Verträge mehr schließen.

Heutzutage schließen sehr große Unternehmen folgendermaßen Abmachungen:

Konzern A bastelt seinen eigenen Vertrag und unterzeichnet. Konzern B bastelt seinen eigenen Vertrag und unterzeichnet. Jetzt werden diese Verträge jeweils der Gegenseite zugeschickt.

Und werden jeweils nicht unterzeichnet. Auf dieser Grundlage wird gearbeitet.

Warum?

Weil man weiß, dass jede Art Vertrag in sündhaft teuren Streit enden wird.

Warum?

Weil egal worauf sich zwei Parteien einigen, die Perspektiven immer unterschiedlich sind.

Die Zeit übernimmt, und nach einiger Zeit haben beide Parteien eine völlig unterschiedliche Ansicht darauf, worauf man sich geeinigt hat (belegt durch die Komplexitätsökonomie).

Warum ist das so?

Die Regeln in diesem Universum bleiben wohl gleich. Doch die Strukturen ändern sich jede Millisekunde. Moderne Verträge müssten sich dem Wandel immerzu anpassen.

Was wäre also die Lösung? Kluge Verträge! Smart Contracts.

Solche Verträge könnten durch eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, die miteinander verkettet sind, automatisch entstehen. Dann bräuchte es keinen Notar mehr.

Diese Idee ist die Grundlage jeder Kryptowährung. Diese Idee heißt Blockchain.

Stellen Sie sich vor, Sie spielen mit vier Freunden ein Kartenspiel. Manchmal gewinnen zwei, manchmal gewinnt nur einer. Jeder schuldet dem anderen Geld.

Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten. Deshalb erstellen Sie eine kluge Liste auf einem Bierdeckel. Wer wem was wann schuldet.

Für das Erstellen eines solchen Bierdeckels, erhalten Sie ein Bierdeckel-Coin. Eine Kryptowährung.

Die ganze Welt besteht aus Kartenspielern. Jeder ist mit jedem vernetzt. Persönlich kennt man nur die wenigsten.

Also übernehmen Dritte das Erstellen der Bierdeckel-Listen. Für alle anderen Teilnehmer. Diese Dritte bekommen für ihre Rechenleistung Bierdeckel-Coins.

Klar, diese Dritte können auch Bierdeckel-Coins an Nichtspieler und Spieler verkaufen.

Am Ende gewinnen diejenigen, die am meisten Daten besitzen. Die am meisten Rechenleistung besitzen.

Und was sind "Strukturen"?

Sie sind das harte Resultat unserer weichen Weltbilder.

Doch was beeinflusst unsere subjektiven Weltbilder, welche uns alle objektiv gegenseitig beeinflussen?

Sind es wahre Informationen, News und Nachrichten? 

Oder sind es eher imperfekte, persönliche Erfahrungswerte?

Das haben wir in einem Experiment gemessen. Mehr Details bald zu lesen in:

https://www.springer.com/gp/book/9783658331382#otherversion=9783658331399