Leuchtende Kinderaugen anlässlich der Herbsttagung der deutschen Diabetesgesellschaft (DDG). Also der Gesellschaft, welche Diabetikern Kohlenhydrate (50 bis 60%) empfiehlt, so die Krankheit erzeugt, anfacht, am Leben erhält und ihre eigene Existenz sichert. Ein völlig rationales Verhalten.
Leuchtende Kinderaugen? Was jetzt kommt kann wirklich nur auf kindlich-fröhlich, naiver Basis erklärt werden. Andernfalls müsste man laut schreien. Da hat nämlich ein Diabetes-Berater namens Althaus von den Kliniken Essen-Mitte eine geniale neue Therapie bei kaum noch behandelbarem, entgleisten Diabetes Typ II vorgestellt.
Also Hilfe für Schwerstkranke, bei denen auch die Schulmedizin kaum mehr weiter weiß. Heißt praktisch
69 Jahre, übergewichtig, 30 Jahre Diabetes Typ II, die Therapeuten waren "mit ihrem Latein am Ende".
Nach 24 Jahren Insulin konnten auch höchste Dosen plus ein DPP4-Hemmer den Blutzucker nicht mehr ausreichend senken. HbA1c 10 %.
Und jetzt kommt’s die große Überraschung. Da stießen die Therapeuten auf eine bereits 1902 vorgestellte Hafer-Kur. Zitat: "Die mehrtägige Kost nur mit Kohlenhydraten hatte sich… als sicher und wirksam gegen Insulinresistenz erwiesen".
Nun hatten die ein Problem: Heutzutage, 2017, sind "3 Tage nur Haferschleim unzumutbar". Praktikabel dagegen sei, so der Vortrag der DDG, eine Diät mit
AUSSCHLIESSLICH KOHLENHYDRATEN
in Brot, Nudeln, Reis, Gemüse und Obst, so Althaus.
Und was passiert? Die haben Erfolg. Der Blutzucker geht drastisch zurück, der Insulin-Bedarf kann reduziert werden. Natürlich wurde diese Wunderbehandlung – einige Tage nur Kohlenhydrate – beim Diabetes Typ II sofort auch bei anderen Patienten angewandt.
Da bleibt nicht nur mir der Mund offen stehen. Toll. Irgendetwas muss ich übersehen haben. Wahrscheinlich habe ich Diabetes Typ II noch überhaupt nicht verstanden. Ich dachte immer, der entsteht durch Kohlenhydrate. Und die behaupten, wohl verstanden vor der obersten Instanz, der deutschen Diabetes-Gesellschaft, Kohlenhydrate würde Diabetes heilen.
Natürlich war es wieder einmal das Kleingedruckte: Das da lautete: die Mahlzeiten (3 täglich) sollten etwa 2 bis 4 Kohlenhydrateinheiten (KE) enthalten. In diesem Sätzchen steckt der ganze Irrsinn. Der Wahnsinn hinter dieser neuen Behandlungs-Methode. Wissen Sie weshalb?
Eine KE entspricht 10g Kohlenhydraten
Also 40 Kalorien. Diese Wunderkur (Haferschleim, modern übersetzt) bedeutet also tatsächlich
täglich nur 240 bis höchstens 480 Kalorien
Das war’s dann. Die sagen also nicht: Mit einer Hungerkur kann man entgleisten Diabetikern helfen, sondern mit einer Diät mit "ausschließlich Kohlenhydraten".
Und vergessen, dass manche Menschen noch Kopfrechnen können. Ganz offensichtlich ist das niemanden im Plenarsaal der deutschen Diabetesgesellschaft anlässlich der Herbsttagung gelungen. Ich habe von Buuh-rufen dort nichts gehört.