In Japan sind nur ca. vier Prozent der Bevölkerung übergewichtig. In Deutschland sind es ca. 22 und in den USA fast 36 Prozent. Weltweit leben die meisten übergewichtigen Menschen in Amerikanisch-Samoa, ein Außengebiet der USA im südlichen Pazifik. Dort bringen sage und schreibe mehr als 74 Prozent der Bevölkerung zu viel auf die Waage.
Die vielen dicken Menschen in Samoa sollen uns nicht interessieren. Blicken wir lieber nach Japan, in das Land, indem die über 30-Jährigen genauso fit und schlank sind wie die 20-Jährigen. In das Land indem besonders viele Menschen besonders alt werden und vor allem dabei gesund bleiben. Warum sind die Japaner durchschnittlich dünner als der Großteil der Rest der Welt?
Es liegt vor allem am Essen. Traditionell ist es reich an Gemüse und Fisch, der entweder roh, gegrillt oder gegart gegessen wird. Japaner verzehren vorrangig Fisch mit hohem Fettanteil, wie Lachs Thunfisch und Sardinen. Diese Fische sind natürlicherweise reich an Omega-3-Fettsäuren. Zum Gemüse und zum Fisch, gibt es Sojaprodukte, die oft fermentiert sind und etwas Reis. Außerdem gehören Meeresalgen zur traditionellen Ernährung. Sie enthalten viele Mineralstoffe. Milchprodukte und Obst spielen eine untergeordnete Rolle.
Der Tag beginnt mit einer Miso-Suppe und einigen Beilage wie Fisch, Soja und Gemüse. Mit etwas herzhaftem im Bauch, ist man fit für den Tag. Vor allem aber liegt dieses Frühstück nicht schwer im Magen. Es macht munter und stopft nicht voll.
Miso-Suppe gehört zu fast jeder Mahlzeit. Traditionell heißt es, eine Mahlzeit besteht aus einer Suppe und drei Beilagen. Suppen machen nicht nur von innen warm, was besonders im Winter angenehm ist, Suppen füllen vor allem den Magen. Danach hat man weniger Hunger auf weitere Speisen. Die Basis der Miso-Suppe ist eine Fischbrühe. In sie wird Miso, eine Paste aus fermentierten Sojabohnen, eingeführt. In die Suppe kommen außerdem oft Pilze und gedämpftes Gemüse.
Aber nicht nur die Lebensmittel selbst machen den Unterschied. Es ist die Art, wie gegessen wird: langsam und achtsam. Traditionell stopft man sich nicht schnell nebenher oder unterwegs etwas in den Mund. Mahlzeiten werden zelebriert, man konzentriert sich auf Geschmack, Konsistenz und das Kauen.
Außerdem isst man sich nicht satt. Japaner essen traditionell nur so viel, bis sie sich zu etwa achtzig Prozent gesättigt fühlen. Das Prinzip heißt "hara hachi bu". Aufgrund dessen wird japanisches Essen in vielen kleinen Schüsseln und Tellerchen gereicht. Man kann jederzeit aufhören, ohne einen Rest zu lassen.
Bis ca. 1700 wurde in Japan nur zweimal täglich gegessen, und zwar am späten Vormittag und dann wieder am späten Nachmittag. Vom Rhythmus her entspricht das dem Intervallfasten, mit seinen vielen positiven gesundheitlichen Effekten.
Leider hält der Westen mit Fast Food und Pizza auch Einzug in Japan. Zu sehen ist es unter anderem in der Statistik der Übergewichtigen. Waren es 2014 noch drei Prozent, liegt der Anteil jetzt bereits bei vier.
© 2026 Dr. Ulrich Strunz