Multiple Sklerose in Deutschland

Eine beispielhafte Geschichte zum Umgang deutscher Ärzte mit "der Krankheit". Mit dem Patienten. Mit ihrer Verantwortung. Mit ihrem Eid. Lassen Sie uns ganz langsam beginnen:

Wundervoll. Trafen sich am 19. 9.2014 im Verlauf der Neurowoche 2014 in München Experten. Neurologen. Es ging um MS. Gleich zu Anfang:

"Die Experten waren sich relativ einig in ihrer Praxis: Vitamin D-Spiegel der MS-Patienten bestimmten, Vitamin D supplementieren".

Da freu ich mich. Auch anständig begründet. Nämlich mit

  • Das Vitamin spielt eine Rolle bei dem weltweit beobachteten Zusammenhang von mehr MS in Ländern mit geringerer Sonnenlichtexposition.

  • Es lässt sich ein Zusammenhang zwischen Vitamin D-Spiegel und MS-Vorkommen feststellen

  • Laborexperimente zeigen die vielfältigen Funktionen von Vitamin D auf das Immunsystem – ähnlich dem Interferon-Beta, das ja zur Therapie der MS eingesetzt wird.

  • Klinisch scheint ein ausreichende Vitamin D-Spiegel die Aktivität von MS abzumildern.

  • Prof. Bogdahn, Chef der Neurologie Uni Regensburg, der eigentlich eine Kontra-Position einnehmen sollte, gab zu, dass bei allen seinen Patienten Serumspiegel bestimmt würden und er sogar selbst Vitamin D einnehme.

  • Es ist bisher nicht zu negativen Studien mit Vitamin D gekommen.

Das also war die Begründung für die routinemäßige Gabe von Vitamin D bei MS-Patienten. Aber jetzt kommt's. Bitte vergessen Sie nicht, das wir hier in Deutschland sind.

Zur Zeit würden tatsächlich 19 Studien zum Thema Vitamin D und MS laufen. Außerordentlich positiv. Man bemüht sich. Man sammelt Daten. Korrektes Vorgehen. Aber dann passiert's:

Mahnung: diese 19 Studien sollte man abwarten (!!!) mahnten die Diskutanten im Plenum an...

Verstanden? Da sitzen also Ärzte unten im Saal, hören erst die überzeugenden Daten, hören, dass Kliniken und niedergelassene Ärzte selbstverständlich Vitamin D bei MS-Patienten geben – wieso eigentlich nur bei denen? Sind andere Menschen keine Menschen? – hören dann...dass soeben 19 Studien laufen und kommen daraufhin zum typisch deutschen Schluss (ich darf das so sagen):

Abwarten

Nix tun!

Kranke krank lassen!

Bloß kein Risiko eingehen!

Obwohl doch genau das Risiko bereits schriftlich ausgeschlossen war. Das nehme ich persönlich. Genau solchen Ärzten bin ich als 19-jähriger "in die Hände gefallen". Einer von denen, ein Orthopäde, Bahnhofstrasse Erlangen, hat sogar ein Gutachten über mich abgegeben, ohne mich überhaupt gesehen zu haben. Vergesse ich nie.

Fazit: Guck Dir Deinen Onkel Doktor genau an!