Und danach? Wenn Sie's überstanden haben, den Krebs? Wenn man sich in der Klinik rührend um Sie gekümmert hat, wenn Chemotherapie und Bestrahlung Erfolg gehabt haben?
Denke ich immer an den führenden deutschen Krebsforscher Wiestler (Artikel unten angefügt), der mich kribbelig gemacht hat mit seinem Satz, dass "deutsche Krebspatienten einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard" behandelt werden.
Was meint der damit? Nun, der meint noch sehr viel mehr, als Sie annehmen. Der meint nämlich auch:
In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen, deren Krebsdiagnose bereits 5 Jahre zurückliegt; bei mehr als 2 Millionen sind es 10 Jahre oder mehr. Und jetzt Zitat:
"Auch, wenn die Behandlung längst abgeschlossen ist, bekommt etwa ein Drittel der Patienten Spätfolgen von Tumor, Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie zu spüren. Die Liste der Probleme ist lang; sie reicht von chronischer Müdigkeit über Nervenschädigungen, ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit, Lymphödemen, Depressionen und kognitiven Störungen bis hin zu einem weiteren Krebs. Das ist der Preis für das Überleben", sagt Frau Prof. Fossa von der Uni Oslo, Leiterin des norwegischen Ressourcenzentrums für Langzeitüberleben nach Krebs und spricht weiter: "Die Patienten müssen wissen, dass eine Krebsbehandlung Folgen hat, eben auch Jahre später".
Genau darum geht's Prof. Wiestler eben auch. Nicht nur um die unmittelbare Behandlung. Dazu Prof. P. Albers, Direktor der Urologie am Uniklinikum Düsseldorf: "Solch systematische Aufklärung fehlt in Deutschland. Das Thema Spätfolgen ist bei uns noch nicht angekommen, nicht einmal bei allen Onkologen".
Ein Beispiel ist die 42-jährige S., deren akute Leukämie geheilt wurde. Einverstanden. Die aber immer müder und kraftloser wurde. Die Ärzte stellten fest
"dass ihr Körper durch die Krebstherapie weder Östrogene noch genug Wachstumshormone bildet und ihr Immunsystem gegen einige Erreger keine Antikörper mehr produziert. Auch wenn die Hormone nun zugeführt werden, die absolute Müdigkeit bleibt".
Kann man nix machen. Wenn es nun einmal keine Alternative gibt. Tja. Bei Kindern ist das anders: Hier gibt es zwei Netzwerke, die die Spätfolgen erforschen. Die Nachsorgepläne für jede einzelne Krebsart zur Verfügung stellen. Die sich tatsächlich rührend und aufopfernd um jeden einzelnen kleinen Krebspatienten kümmern.
Manchmal haben Kinder es besser.
PS: Absolute Müdigkeit ist ein Hauptthema der molekularen Medizin. Die hilft eben nicht mit Raten, mit Resignation (Schulmedizin), sondern durch streng naturwissenschaftliche Messung und Wissen. Unsere tägliche Praxis.
Und die aufgelisteten Folgen der Chemotherapie (lesen Sie´s nochmal bewusst durch) können selbstverständlich zum großen Teil molekularmedizinisch verhindert werden oder beseitigt werden. MEDIZIN kann!
Es ist Ihr Leben
Zum dritten Mal darf ich hier mit größtem Respekt das Deutsche
Krebsforschungszentrum in Heidelberg nennen. Und seinen Präsidenten
Prof. O. Wiestler.
Der soeben neben seinem Zentrum das "Nationale Centrum für
Tumorerkrankungen" aufbaut. Und der jedem von Ihnen, der aufmerksam
gelesen hat, ein völlig neues Verständnis der Krebs-Erkrankung
ermöglicht hat. Der Professor scheint unkündbar zu sein. Denn im
Gegensatz zu Politikern (die das nicht sind) erlaubt er sich ganz
ungewohnte Wahrheiten (Focus 34/2009, Seite 67):
Focus: Sie beklagen die Defizite bei der Krebstherapie in
Deutschland. Dies
ist ein schwerer Vorwurf gegen die Ärzte, die an Universitätskliniken
und Krankenhäusern arbeiten. Worin genau besteht Ihre Kritik?
Wiestler: Im internationalen Vergleich werden deutsche Krebspatienten
einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard behandelt.
Das muss sich ändern.
Sie sollten das wissen. Sie sollten diesen Satz in sich tragen. Jeder
Dritte von Ihnen (noch einmal: Jeder Dritte von Ihnen) wird mit dieser
Erkrankung in Deutschland konfrontiert. Und dann sollten Sie sehr wach,
sehr aufmerksam, sehr selbstständig suchen und fragen.
Denn wenn wir einem der obersten deutschen Krebs-Forscher glauben,
werden Sie "einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard
behandelt". Dass das andererseits möglich ist in Deutschland, leuchtet
Ihnen ein.
Aber wie gesagt: Da müssen Sie selbst etwas tun.
Ich persönlich hätte da übrigens einen ganz anderen,
schüchternen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie den Krebs gar nicht
bekämen? Wie das funktioniert, wissen wir ganz präzise. Nur lässt sich
damit keinerlei, aber auch gar kein Geld verdienen.