Kennen Sie diese extra-teuren Tees, die nicht mehr in den klassischen Teebeuteln angeboten werden, sondern in diesen Dreiecken? Der klassische Teebeutel besteht aus Papierfasern. Papier ist ein Naturprodukt, können Sie essen, passiert nichts. Natürlich nur in kleinen Mengen. Diese neumodischen Teebeutel bestehen aus Nylon. Der Tee soll dadurch besser schmecken. Das Problem:
Heißes Wasser löst Nylon in geringem Umfang auf. In Ihrer Teetasse entsteht Mikroplastik.
In Kanada untersuchten Wissenschaftler wie viel Mikroplastik beim Aufguss eines Tees entsteht. Sie fanden 11,6 Milliarden Mikroplastikpartikel und 3,1 Milliarden Nanoplastikpartikel in einer einzigen Tasse Tee. Nanopartikel sind noch kleiner als Mikropartikel. Da auch Leitungswasser Mikro- und Nanoplastik enthält, wurde der Teebeutel speziell behandelt, um den Ursprung der Partikel genau feststellen zu können. Sie kamen vom Teebeutel und waren nicht schon zuvor im Wasser enthalten.
Mikro- und Nanoplastik dringen in jede Zelle unseres Körpers ein. Das ist seit einiger Zeit bekannt. Was es bewirkt, wird gerade erst erforscht. Wissenschaftler aus Südkorea fütterten Mäuse mit speziell markiertem Mikroplastik. (Die armen Mäuse.) Die Wissenschaftler stellten fest, dass es bis ins Gehirn eindrang. Das bedeutet, dass es die Blut-Hirnschranke überwindet, die das Gehirn eigentlich vor schädlichen Substanzen schützen soll. Erschreckend! Mikroplastik sammelte sich vor allem in den Mikrogliazellen an, das sind die Immunzellen des Gehirns.
Um herauszufinden, wie die Mikrogliazellen auf Mikroplastik reagieren, reicherten die Wissenschaftler menschliche Zellkulturen dieser Art mit Mikroplastik an. Die Zellen produzierten daraufhin vermehrt entzündungsfördernde Stoffe. Viele zeigten Schäden und einige Zellen starben ab.
Mikroplastik kann somit zur Entstehung neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson beitragen.
Die Aufnahme von Mikroplastik über Getränke und Lebensmittel können Sie reduzieren, aber nicht komplett vermeiden. Selbst Mineralwasser und Bier enthalten Mikroplastik, besonders wenn es in Plastikflaschen verkauft wird. Leitungswasser enthält noch viel mehr dieser winzigen Partikel. Idealerweise filtern Sie Ihr Wasser. Es gibt spezielle Systeme, die Mikroplastik entfernen können. Schauen Sie auch mal in Ihren Wasserkocher. Sind dort Plastikteile verbaut? Besonders häufig besteht der Kalkfilter aus Plastik. Er löst sich mit der Zeit auf, das Plastik gelangt ins heiße Wasser. Besonders viel Mikroplastik ist in Meersalz und in Meeresfrüchten sowie in Dosen- und Fertiggerichten enthalten.
Quellen: Kwon W, Kim D, Kim HY, et al. Microglial phagocytosis of polystyrene microplastics results in immune alteration and apoptosis in vitro and in vivo. Sci Total Environ. 2022;807(Pt 2):150817.
Hernandez LM, Xu EG, Larsson HCE, Tahara R, Maisuria VB, Tufenkji N. Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea. Environ Sci Technol. 2019;53(21):12300-12310.
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