PET überflüssig?

Die derzeit modernste Krebsdiagnostik heißt PET. Positronen-Emissions-Tomographie. Die Röhre. Ganz korrekt FDG-PET-DT. Heißt: Es wird Ihnen radioaktiv markierter Zucker gespritzt, der wandert in die Krebszellen (Sie kennen sich aus), die fangen an zu leuchten. Schlussendlich erhalten Sie ein Bild – wenn Sie wünschen – vom ganzen Körper mit hoffentlich keinen leuchtenden Flecken. Solch ein Bild gibt es von mir. Ein Glück.

Nun gibt es Patienten unter Ihnen, wach, aufmerksam, die solche Möglichkeiten kennen. Und nach Krebsoperation (Brust) den Arzt bei der Kontrolle um solch ein PET bitten. Um ganz sicher zu gehen, dass nicht irgendwo noch eine kleine Metastase "aufleuchtet".

In diesem Fall wurde dem Patienten erklärt, "das bringe doch nichts". Debatte beendet. Ich durfte dann trösten: Ganz offenbar gab es in der Nähe dieses Krankenhauses kein PET-Gerät. Die sind nämlich recht selten gesät in Deutschland, außerdem sehr teuer. Und dann muss der gefragte Onkologe eben abwiegeln. Nun gut.

Patienten werden aber immer klüger. Lesen. Stöbern im Internet. Und finden die folgende Abbildung:

Besteht aus zwei Kugelhaufen. Der linke Kugelhaufen heißt: PET negativ. Im Körper dieser Krebspatienten hat nichts aufgeleuchtet. Obwohl sie nachweislich Krebs hatten. Offenbar waren die Krebsherde zu klein.

Der Kugelhaufen rechts heißt: Hier konnte Krebs nachgewiesen werden. Im PET. Herde haben aufgeleuchtet. Das war zu erwarten, weil man auch bei diesem Patienten schon vorher wusste, dass sie Krebs hatten.

Das Besondere ist die waagerechte Trennlinie. Die bedeutet nämlich: Alles was darunter fällt ist TKTL1 negativ. In einer Blutprobe, nicht der Röhre. Und die Kügelchen darüber sind TKTL1 positive Krebsfälle. Das war aber nicht die Röhre, das war "nur" eine Blutprobe.

Das Bild will uns zeigen, dass man kein PET braucht. Nicht unbedingt. Dass man mit einer Blutprobe die gleiche Aussage treffen kann:

  • Bei TKTL1 negativ würde auch PET recht zuverlässig nein sagen.

  • Bei TKTL1 positiv (über 120) würde das PET aufleuchten.

Damit ist bewiesen, dass der Bluttest solch eine teure, aufwendige PET-Untersuchung ersetzt. Außerordentlich elegante Methode, da die ja jeder Arzt durchführen kann.

Korrektur. Durchführen könnte. Ich will das nicht weiter ausführen.

Weshalb das ganze so wichtig ist? Einmal, weil wir lernen, dass es sehr wohl Krebse gibt, die nicht aufleuchten, die TKTL1 negativ sind. Das sind besonders kleine oder besonders langsam wachsende wie z.B. Prostata. Alles bekannt.

Zum andern heißt TKTL1 positiv noch etwas sehr Unangenehmes. Was vielen Onkologen, also Fachärzten gar nicht bekannt ist: Solche zuckerfressenden Krebszellen sind resistent gegen Chemo-Therapie, sind resistent gegen Bestrahlung. Tja. Wird das im Alltag in den Unikliniken wirklich gewusst? Eingehalten?

Schon Professor Wiestler als oberster Krebsforscher Deutschlands hat sich mokiert über die Unwissenheit deutscher Onkologen: Entscheidend sei ja die Krebs-Stammzelle. Und die ist resistent. Kann gar nicht erreicht werden mit den üblichen Methoden. Oh! Was nun?

Ach was, Schwamm drüber. Wir hängen einfach die nächste Chemotherapie dran.

Quelle: Fut. Oncol. (2012) 8 (10), 1349