Nicht der Menschheit. Oh nein. Ihnen. Ausschließlich Ihnen. Einzig und allein Ihrer Person.
Und dann eben auch dem Nachbarn. Und einem Dritten. Medizin kann immer nur einem
einzelnen Individuum dienen. Genau dafür wird geforscht, dafür gibt es Universitäten und
Institute.
Haben Sie schon einmal über Statistik nachgedacht? Weshalb medizinische Statistik in Ihrem Fall völlig sinnlos ist? Wenn Ihnen also der Chirurg vor der Operation versichert, dass Sie jetzt zwar unterschreiben, dass das Risiko für eine Durchtrennung Ihres Sprachnerves (im Hals) aber nur bei 0,1% liegt, also ein völlig vernachlässigbares Restrisiko, dann lächeln Sie gemeinsam mit ihm. Habe ich getan. Drei Tage später konnte ich nicht mehr sprechen. Das ist Statistik.
Es gibt in der Medizin keine Statistik. Es gibt immer nur ein 50/50%. Denn Statistik an der
Einzelperson ist nicht existent. Jeder Mathematiker weiß das.
Deshalb ist es richtig, wenn in der FAS über eine Frau und ihr Leid
geschrieben wurde. Das noch ungeborene Kind hat einen offenen Rücken. Das war's. Nennt
man spina bifida. Erkennbar im Ultraschall.
Denken Sie mit? Das Leid der Mutter, die sofort ein Bild von
ihrem Kind im Rollstuhl hat. Zurecht. Die eine Woche lang Tag und Nacht weinte. Vom Spezialisten erklärt bekommt, dass "das Kind wahrscheinlich inkontinent sein wird, wahrscheinlich Empfindungsstörungen an den Oberschenkeln haben würde. Das Wasser im Kopf würde wohl über einen Schlauch, Shunt genannt, unter der Haut in den Bauch abgeleitet werden müssen ..." Und so weiter.
Hier gilt keine Statistik. Hier gilt kein "höchst unwahrscheinliches Restrisiko". Hier gilt ein Ja
oder Nein. 50 zu 50%.
Sehen Sie, das ist der Grund, weshalb die USA und Kanada am 01.01.1998 beschlossen
haben, Folsäure jeglichem Mehl beizumischen. 340 Millionen Menschen zwangsweise mit
Folsäure zu füttern. Ob die wollen oder nicht. Genau wegen dieser spina bifida. Dass sich
dann auch noch ‐ Stichwort Homocystein ‐ einige 50.000 Herzinfarkte vermeiden lassen, dass
einige Zehntausend weniger Demenz erleiden werden, waren willkommene Beigaben.
Kein Wort davon in Deutschland. Da lesen wir dann so grausliche Geschichten von dem
ungeborenen Kind und der Hoffnungslosigkeit der Mutter. Kein Wort davon, dass das Problem doch längst gelöst ist, so gut die Medizin das sagen kann.
Natürlich bekommt jede Schwangere vom Gynäkologen Folsäure verschrieben. Nur: Zu spät.
Das Rückgrat wird gebildet in den ersten Wochen. Wenn man von der Schwangerschaft
ja noch gar nichts weiß. Folsäure hätte vorher genommen werden müssen. Wussten Sie das?
Unser Umgang, besser unsere Verachtung der Vitamine wird täglich mit bitterstem Leid
bezahlt. Zum Glück wissen die meisten Leute gar nicht, weshalb es sie getroffen hat. Zum
Glück.