Frataxin

Artikel #427 vom 23.08.2010

ist ein Passwort. Ein Schlüsselbegriff. Wenn ich "Frataxin" höre weiß ich: Hier kennt sich jemand aus.

Frataxin ist das Hobby von Prof. Ristow, Universität Jena. Sie erinnern sich? Der hat mal bewiesen, dass Obst gar nicht gut für Sportler sei. Oder so ähnlich. Lesen Sie noch mal nach (www.strunz.com vom 25.05.09).

Frataxin ist etwas ganz Raffiniertes. Ist ein Eiweiß, das die Zelle zwingt, zu atmen. Zwingt, Sauerstoff zu verbrauchen. Was daran so interessant ist?

Das Gegenteil. Wenn eine Zelle nämlich keinen Sauerstoff atmet, sondern den notwendigen Zucker vergärt (ohne Sauerstoff), dann nennt man das eine Krebszelle. Entdeckung von Prof. Warburg. Dafür gab's den Nobelpreis.

Prof. Ristow nun hat Dickdarmkrebszellen genetisch so verändert, dass sie viel Frataxin produzierten. Hat die Krebszellen also gezwungen zur Atmung. Was sie eigentlich gar nicht können. Und was passiert? Die so veränderten Krebszellen wuchsen deutlich langsamer. Im Reagenzglas. Im Körper von Mäusen. Oh!

Bewiesen hat Prof. Ristow außerdem, dass Warburg auch umgekehrt recht hat: Wenn man die Zellatmung unterdrückt, indem er die Frataxinherstellung hemmt, dann treibt es gesunde Zellen, sich tumorartig vermehren. Konkret: Mäuse bekamen Lebertumoren.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt hat Prof. Ristow damit etwas wie eine Sensation geschafft: Er hat die Grenze zwischen einer reinen Stoffwechselverschiebung (das war Prof. Warburg) und der modernen Genetik (mit der man heute Krebs erklärt) verschwimmen lassen. Da gibt's also einen Zusammenhang.

Die wirkliche Bedeutung einzelner Gene ist schwer fassbar, wie wir inzwischen wissen. Aber Frataxin, sprich Zellatmung kann man messen. Also hat Prof. Ristow in verschiedenen menschlichen Krebsarten Frataxin direkt gemessen: In keiner der Krebsproben "war Frataxin aktiv". Passt. Die haben Energie durch Gärung erzeugt.

Neue Idee: Krebszellen haben Sie sowieso. Jeder von uns. Es kommt einzig darauf an, wie schnell die sich vermehren. Und genau das könnte man mit Frataxin, kann man mit der induzierten Zellatmung beeinflussen.

Neue Idee Nr. 2: Krebs ist eine Stoffwechselerkrankung. Grundsätzlich. Damit haben wir die Zelle in der Hand.

zurück zur Übersicht

top