Martina Navratilova
Artikel #409 vom 19.04.2010
Die Tennislegende wurde soeben wegen Brustkrebs operiert und wird nun bestrahlt. Traurig meint die 54jährige: "Letztlich bin ich selber schuld, denn ich war 4 Jahre lang nicht bei der Mammographie."
Selber Schuld. Wirklich? Stimmt das wirklich?
Die moderne Medizin hat den Schuldgedanken verlagert von "Schuld durch schädlichen Lebensstil" hin auf "Schuld durch Nichtteilnahme an Vorsorgeuntersuchungen". Eine merkwürdiger Vorgang.
Lässt sich zunehmend nicht halten. Soeben wacht Deutschland auf. Zum Thema Mammographie. Die drei hier zuständigen Gesellschaften haben sich soeben auf ein neues Merkblatt geeinigt. Auf welchen - tatsächlich! - Fakten mitgeteilt werden sollen. Einfach nur Fakten.
Fakt sei:
Tausend Frauen müssen 20 Jahre lang regelmäßig am Screening teilnehmen, damit 5 nicht mehr an Brustkrebs sterben. Also 1000 für 5.
Freilich werden ebenfalls 5 Frauen "unnötig zu Brustkrebspatientinnen gemacht, weil ihr Krebs ohne das Screening nicht aufgefallen wäre" (Zitat).
Und bei 50 von 1000 wird ein Verdacht laut. Wird eine Gewebeprobe entnommen, die dann allerdings unauffällig ist. 50 also schlafen tagelang sehr, sehr schlecht.
Das also sind die heute in Deutschland gültigen Fakten. Würde Frau Navratilova in Kenntnis dieser Fakten sich immer noch so heftige Vorwürfe machen?
Nun schläft die Wissenschaft nie. Genau jetzt platzt wie ein Paukenschlag ein Bericht im "British Medical Journal" (BD 340, S c1241). Aus dem Cochrane Center in Kopenhagen. Wo gezeigt wird, dass Mammografie-Screening überhaupt nichts bewirkt. Dann, wenn man tatsächlich alle Frauen im ganzen Land untersucht. Und nicht ausgewählte Untergruppen, wie in Deutschland.
Tja. Wir Menschen und unser Maschinen-Glaube. Tiere haben selten Brustkrebs.