Schweinegrippe aus ärztlicher Sicht
Artikel #385 vom 02.11.2009
Der Arztberuf war früher ein heiliger. Aus gutem Grund. Der Arzt ist nämlich nicht nur ein Mediziner, sondern sehr viel mehr. Er darf Informationen nicht nur sammeln und weitergeben, er muss sie auch deuten. Und zwar angepasst für jeden einzelnen Menschen, für jeden Patienten.
Außerordentlich schwierig.
Darf ich Ihnen erläutern am Beispiel Schweinegrippe. Ein Mediziner weiß folgendes:
Bereits 1976 wurde in den USA gegen H1N1-Virus geimpft. 43 Millionen US-Amerikaner. Entspräche 50% der deutschen Bevölkerung. Nur. Aber immerhin.
Es erkrankten 532 an Guillain-Barre. Einer Nervenlähmung.
Die zunächst mit Lähmung beider Beine beginnt, oft schmerzhaft dann zur Lähmung beider Arme und beider Beine führt, mit Verkümmerung der Muskulatur, und dann auch Atemlähmung. Daran stirbt man dann.
All das weiß jeder Mediziner in Deutschland. Glaube ich. Ein Arzt muss Ihnen das richtig übersetzen. Denn Sie fragen: Soll ich mich impfen lassen oder nicht? Sehen Sie: Die Antwort gibt es nur individuell. Im Einzelfall. Deshalb hat es ja auch die Bundesregierung, das Gesundheitsministerium so schwer. Was auch immer die Ihnen erzählen: Im Einzelfall kann es falsch sein. Stichwort: Guillain-Barre.
In Schweden heute zählt man die Toten nach der Impfung. In jeder großen Tageszeitung. Jeden Tag. Nicht wie in Deutschland die Todesfälle durch die Schweinegrippe. Und tatsächlich (ich zitiere) scheinen mindestens eben so viele Menschen in Schweden nach der Impfung zu sterben, wie hierzulande durch die Schweinegrippe.
Wie kann man als wissender Arzt - nicht als Mediziner - mit solchen Tatsachen umgehen? Wir haben geschworen: "Primum nil nocere". Zu allererst darf ich nicht schaden.