Mediziner und Ärzte

Artikel #960 vom 18.06.2018

Die Mama ist 78 Jahre und leidet an Herzrhythmusstörungen. Und bekommt deshalb Marcumar. Ein Blutverdünnungsmittel. Hochwirksam, extrem gefährlich. Muss ständig – mit eigenem Blutpass – überprüft und kontrolliert werden. Denn: Verletzt man sich mit Marcumar im Blut, dann verblutet man. Bei einem Unfall. Bei einem Sturz. Wenn man sich in den Finger schneidet. Deswegen hat Mama, 78 Jahre, Angst vor diesem Mittel.

Sohn, Diplomingenieur, begleitet Mama zum Spezialisten, zum Kardiologen. Frägt, ob nicht das harmlosere Aspirin statt des wirklich gefährlichen Marcumar zur Blutverdünnung gegeben werden könnte. Jetzt zitiere ich wörtlich aus dieser kardiologischen Beratung:

„So behauptete der Kardiologe, Marcumar sei um ein Drittel besser als Aspirin. Präzise: Alle 80‐jährigen haben eine erhöhte Gefahr von Vorhofflimmern. Von 100 der über‐80‐jährigen bekommen 5 Patienten Vorhofflimmern. Marcumar senkt dieses Risiko um zwei Drittel, Aspirin nur um ein Drittel.“

Kommentar des Sohnes: Was der Kardiologe mir also sagen wollte ist: Ohne eine Tablette Risiko für Vorhofflimmern 5%. Mit Aspirin nur noch 3,33%. Und mit Marcumar noch weniger, nämlich 1,66%.

Der Sohn ist Dipl. Ing. Der kann rechnen. Für eine 1,66% Risikosenkung – das nennt der Kardiologe: „ein Drittel besser „ – eine hoch gefährliche Tablette. Der Sohn im Originalton:

„So kann man Statistiken auch umdeuten.
Eine Unverschämtheit, finde ich“.

Was kann, was darf ich dazu sagen? Nun – ich könnte zitieren: „Durch Omega 3 wird bei Bypass‐Patienten das Risiko für postoperatives Vorhofflimmern um 54,4% gesenkt (J Am Coll Cardiol 2005; 45:1723)

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